Nicht ohne meine Magnetkarte

Zugangskarten mit Magnetstreifen sind an Universitäten schon seit Jahrzehnten sehr beliebt. Früher oder später werden externe Einflüsse aber dafür sorgen, dass modernere Zugangskontrollverfahren auch an den Unis zum Einsatz kommen.

Bei Bankgeschäften und im Gesundheitswesen haben sich Smartcards schon durchgesetzt. An Universitäten sind die schlauen Karten bis heute aber selten zu finden. Die Universitätsverwaltungen wollen auf ihre geliebten Schlüssel und Magnetkarten einfach nicht verzichten, obwohl Smartcards deutlich flexibler und sicherer sind.

In der North Georgia College and State University (USA) werden noch über zwei Drittel der Lehrräume mit klassischen Schlüsseln abgeschlossen. Doch einige Gebäude werden gerade ausgebaut und mit einem elektronischen Zugangskontrollsystem ausgestattet, so dass es im nächsten Jahr nur noch 40 Prozent sein werden. Jeff Grizzle, der Verantwortliche für die Sicherheitssysteme an der Uni, erklärt den Sinneswandel: „Die Studierenden sollen auch außerhalb der Vorlesungszeiten leichten Zugang zu den Räumlichkeiten haben und gleichzeitig wollen wir die Sicherheit verbessern.“

Smartcards wird die Universitätsleitung dabei aber nicht einsetzen. Sie hat sich für die Magnetstreifenkarte entschieden, die von IBM erfunden wurde – vor einem halben Jahrhundert.

„Die meisten Studierenden kennen die Unterschiede zwischen Magnetkarten und Smartcards nicht“, glaubt Grizzle. „Und solange sie nicht wollen, dass auf ihren Karten deutlich mehr Informationen gespeichert werden, werden wir in absehbarer Zeit auch keine Smartcards ausgeben.“ Smartcards seien doppelt so teuer wie Magnetkarten und die Anschaffung würde sich einfach nicht lohnen.

Magnetkarten reichen aus

Die Studierenden und Angestellten der staatlichen Valdosta-Universität (ebenfalls in Georgia) haben die Magnetkarten seit 1992. Heute würden die Karten auch für Online-Zugänge genutzt, aber ansonsten hätte sich nicht viel geändert, erklärt der Sicherheitsverantwortliche Craig Williams.

„Wir haben schon den Wechsel auf Smartcards erwogen, aber von den Studierenden kam nicht genug Interesse dafür“, erklärt Williams. „Die Magnetkarten sind bequem. Wir nutzen sie für praktisch alles, von Konten bis zu Sportveranstaltungen.“

Magnetkarten eignen sich auch als Ausweise und zum Bezahlen in der Mensa, am Fotokopierer oder in der Bibliothek.

13.500 Studierende und über 4.000 Angestellte gibt es an der Valdosta-Universität. Die Umstellung der Karten und Lesegeräte wäre komplex und teuer, sagt Williams: „Deshalb hinken viele Unis der Entwicklung hinterher. Wir haben einfach sehr viele Nutzer.“

Eine Koexistenz von Smartcards und Magnetkarten schließt Williams nicht aus. „Wenn wir eine Bank als Partner gewinnen und die Angestellten und Studierenden ihre Karten auch außerhalb der Universität einsetzen könnten, etwa an Geldautomaten, dann sind auch Smartcards denkbar. Momentan spricht jedoch nichts für einen Abschied von der Magnetkarte.“

Für Smartcards gibt es Anwendungen

An der Universität Pittsburgh, die vor zwei Jahren mit der Umstellung auf Smartcards begann, kam der Anstoß für den Wechsel von außen.

Ein Vertrag mit der Hafenbehörde, die für alle öffentlichen Verkehrsmittel in Pittsburgh zuständig ist, erlaubte den Studierenden und Universitätsangestellten die kostenlose Nutzung von Transportmitteln, wenn sie ihren Universitätsausweis vorzeigen.

Doch dann wurden die öffentlichen Verkehrsmittel in Pittsburgh auf Smartcards umgestellt.

„Um die Vergünstigungen weiter nutzen zu können, mussten wir die Zugangskontrollsysteme an der Uni auf die neue Technologie umstellen“, erinnert sich Universitätsmitarbeiter Jim Earle. „Ohne diesen Anstoß von außen hätten wir das nicht getan.“

„Die meisten Sicherheitsverantwortlichen sind mit den vorhandenen Magnetkartenlösungen zufrieden und sehen keinen Grund, neue Karten und Lesegeräte zu kaufen“, ergänzt Earle. „So eine Umstellung ist ziemlich komplex und stressig. Die Studierenden und Angestellten müssen sich neue Karten von der Zentrale abholen.“

Kürzlich gab die Universität Pittsburgh 40.000 neue Karten aus, doch die Infrastruktur bleibt ein Problem. „Selbst heute gibt es noch 484 Geräte, die ausschließlich Magnetkarten lesen können. Es wird also noch eine Weile dauern, bis wir das System komplett umgestellt haben“, sagt Jessica Larson, eine leitende Angestellte der Uni.

Die Möglichkeit zur kostenlosen Weiternutzung der Verkehrsmittel hätte jedoch gereicht, um die Umstellung auf Smartcards zu rechtfertigen: „Solche Umstellungen sind nur vertretbar, wenn es erhebliche Vorteile oder Einspareffekte gibt. Wenn wir Geld sparen oder einen Zusatznutzen bekommen, dann machen wir das auch.“

Viele Universitätsverwaltungen zögern noch mit der Umstellung, aber die Sicherheitsverantwortlichen wissen, dass es irgendwann dazu kommen wird.

„Magnetkarten wird es in zwanzig Jahren wohl nicht mehr geben“, glaubt Craig Williams. Die Universitäten könnten sich dem allgemeinen Trend nicht ewig entziehen: „Früher oder später werden sich biometrische Verfahren oder andere intelligente Technologien bei uns durchsetzen, doch in den nächsten fünf bis zehn Jahren werden wir knapp 80 Prozent unserer Türen weiterhin mit Magnetkarten öffnen.“

Von Cari Simmons

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