Kommunizierende Gegenstände

Das „Internet der Dinge“ ist längst Wirklichkeit. Gegenstände, die sich gegenseitig Informationen zuschicken – diese Art der Kommunikation steckt heute noch in den Kinderschuhen, wird aber schnell erwachsen.

Das „Internet der Dinge“ ist ein Netzwerk, in dem Alltagsgegenstände miteinander kommunizieren und damit intelligente Gebäude- und Anlagenfunktionen möglich machen. Je nach persönlichem und beruflichem Hintergrund, den eigenen Erfahrungen und der individuellen Veranlagung sind ganz unterschiedliche Einstellungen zu diesem Phänomen möglich. Entweder man hält es für eine vielversprechende Sache oder man fürchtet sich davor – Entkommen können wir dem Internet der Dinge aber nicht mehr.

„Das Tempo ist erstaunlich“, sagt Adam Dunkels, Experimentalforscher am Schwedischen Institut für Informatik in Kista. „Vor zehn Jahren waren intelligente Häuser ein großes Gesprächsthema. Das Problem war nur: Die Hersteller setzten auf proprietäre Technologien und wer als Anwender ein System kaufte, war daran gebunden. Über die Anwendungsmöglichkeiten des Systems bestimmte daher eher der Hersteller als der Anwender. Heute ist die Standardisierung und der Trend zu IP-Protokollen das große Thema.“

Dunkels verschlankte den Code für das IP-Protokoll. Jetzt passt er auf 100 Byte RAM-Speicher und ist damit für Mikroprozessoren geeignet. Im letzten Jahr hat die Internet Engineering Task Force den ersten IP-Standard für das Routing in Sensornetzwerken verabschiedet. Der Standard regelt die Übertragung sowohl in Funk- als auch in Stromnetzen.

Für das Internet der Dinge stehen oft nur langsame, oft unzuverlässige und stromschwache Verbindungen in schwierigen oder instabilen Umgebungen zur Verfügung, beispielsweise für die Erhebung von Verkehrs- und Zustandsdaten in bewohnten und bewohnbaren Gebieten.

Die Industrie entwickelt Apps

Das finnische Unternehmen Wärtsilä präsentierte kürzlich einen Dienst zur Schwingungsüberwachung in Schiffsantrieben. Die Messdaten werden täglich an ein Servicezentrum gesendet. Anfallende Wartungsarbeiten an den Schiffsmotoren können frühzeitig geplant werden. So spart der Reeder viel Geld. Die Messdaten werden von Wärtsilä auch für die Weiterentwicklung von Schiffsantrieben herangezogen.

Dunkels glaubt, dass die Entwicklung ganz wesentlich von der Industrie vorangetrieben wird:
„Ein gutes Beispiel sind die intelligenten Stromzähler, die aus der Ferne ausgelesen werden können. Die Anwender interessieren sich für diese Anwendungsmöglichkeiten in der Regel nicht, aber das müssen sie ja auch nicht.“

„Stadtplanung ist ein anderes Beispiel. In China gibt es eine massive Zuwanderungsbewegung in den Städten. Die Stadtverwaltungen müssen sich etwas einfallen lassen, damit die Infrastruktur effektiver funktioniert“, fügt er hinzu.

Die Stadtverwaltung in San Francisco lässt Mikroprozessoren in den Straßenbelag einsetzen. Die Verkehrs- und Parkdaten werden an die GPS-Empfänger in den PKWs gesendet, damit die Fahrer schneller freie Parkplätze finden können.

Für Dunkels spielt das iPhone eine wichtige Rolle bei dieser Revolution: Apple habe „das Spiel und die Spielregeln neu definiert. Früher war die Technik kompliziert – heute ist sie simpel und kostengünstig.“

Früher oder später wird das Internet der Dinge größer sein als das Internet, das wir Menschen benutzen. Über zwei Milliarden Menschen haben Zugang zum Netz, aber wahrscheinlich gibt es bereits heute mehr Geräte, die miteinander kommunizieren. Einige Experten wie der Cisco-Zukunftsforscher Dave Evans gehen von über einer Billion potenziell netzwerkfähiger Geräte aus. Der schwedische Telekom-Riese Ericsson ist überzeugt, dass im Jahr 2020 bereits 50 Milliarden Geräte vernetzt sein werden.

Nicht alle freuen sich über diese Entwicklung. Sie fürchten sich vor dem Großen Bruder, der jeden Schritt überwacht. Hacker könnten in die Systeme eindringen, den Verkehr lahmlegen, Chaos stiften – und Türen, die eigentlich geschlossen bleiben sollten, aufmachen.

Mehr Intelligenz für Zugangslösungen

„Die Sicherheitsbranche hat einen sehr hohen Entwicklungsstand erreicht, aber es bleibt natürlich ein Risiko“, sagt Dunkels. „Meta-Daten können immer abgegriffen werden. Durch Verschlüsselung lassen sich Mitteilungen zwar schützen, doch allein die Tatsache, dass kommuniziert wird – beispielsweise eine Alarmmeldung – kann wertvoll sein.“

Der Schutz von Sicherheitsanlagen ließe sich zum Beispiel dadurch verbessern, dass mehr Intelligenz in die Zugriffseinheiten eingebaut wird. Die einzelnen Daten werden dann nicht mehr an einen zentralen Server gesendet, sondern direkt am Eingangspunkt ausgewertet. Eine Störung der Datenübertragung sei möglich, aber für solche Angriffe gebe es auch Abwehrmaßnahmen.

„Das Internet der Dinge ist nicht das Internet. Nicht alle Geräte und Systeme werden an das offene Internet angeschlossen. Die Kommunikation kann teilweise auch über kleinere private Netzwerke erfolgen und die Mitteilungen in diesen Netzwerken lassen sich ausreichend sicher verschlüsseln“, sagt Dunkels. „Wer erst einmal eingedrungen ist, hat natürlich bessere Chancen, echten Schaden anzurichten.“

Letztlich musste und muss immer ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Offenheit, Wert und Risiko gefunden werden. Manchmal können ältere Technologien sogar mehr Sicherheit bieten als moderne Technik. Dunkels erinnert sich an einen Stromausfall, der sich kürzlich in Stockholm ereignete. Die Handys fielen plötzlich aus, aber die älteren Festnetztelefone funktionierten problemlos weiter.

„Ich habe einen ganz normalen mechanischen Schlüssel von ASSA für mein Haus, weiß aber nicht, wie viele Kopien wir von dem Schlüssel haben. Hätte ich einen modernen Netzwerk-Schlüssel, könnte ich überhaupt keine Kopien anfertigen. Wir müssen uns entscheiden, ob die Vorteile die Risiken aufwiegen“, sagt er.

Von Risto Pakarinen

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