Ethernet kann jetzt noch mehr

Als PoE im Jahr 2003 als „revolutionäre Innovation“ auf den Markt kam, war es plötzlich möglich, netzwerkfähige Geräte über die normalen Netzwerk-Datenkabel mit Strom zu versorgen. So lassen sich WLAN-Zugangspunkte, Sicherheitskameras und ähnliche Geräte ohne zusätzliche Stromkabel komfortabel und kostengünstig betreiben.

PoE hat die Entwicklung vernetzter Anwendungen erheblich beschleunigt, glaubt Daniel Feldman, Vorsitzender des Technik-Unterausschusses für PoE und PoE Plus bei der Ethernet Alliance. „Vor PoE waren Onlinekameras, drahtlose LAN-Zugangspunkte und IP-Telefone nicht sehr verbreitet. PoE wurde auch deshalb entwickelt, um diese Anwendungen zu fördern“, erinnert er sich.

Die Ethernet Alliance ist ein nichtkommerzieller Zusammenschluss von System- und Komponentenanbietern, Branchenspezialisten, Forschern und Behörden. Die Teilnehmer machen sich für die Verbreitung der Ethernet-Technologie stark, die im Zeitalter der allgemeinen Umstellung auf Internetanwendungen enormes Potenzial hat.

Mehr Sicherheit
Da die bereits verlegten Ethernet-Kabel auch für die Stromversorgung genutzt werden können, sinken die Installations- und Wartungskosten bei Sicherheitsanlagen deutlich.

„PoE bietet die Möglichkeit, praktisch an jedem beliebigen Ort ein Gerät aufzustellen, ohne dass vorher eine Steckdose installiert werden muss“, sagt Feldman. „Ein weiterer großer Vorteil ist, dass PoE auch zur Notstromversorgung über Ethernet-Switches genutzt werden kann.“

Einbrecher können jetzt nicht mehr einfach den Strom abschalten, um die Überwachungskameras lahmzulegen. Unterbrechungsfreie Stromversorgungen bleiben dank PoE länger aktiv und können Sicherheitstüren bei einem Stromausfall viel länger schützen.

Im Zuge der weltweit steigenden Nachfrage nach Überwachungstechnik hat PoE zu einem regelrechten Boom bei Überwachungskameras geführt. Diese Entwicklung macht nicht bei Kameras halt, auch Online-Zugangskontrollen, RFID-Kontrolltechnik, biometrische Systeme und Brandmelder profitieren von PoE. Einige Anbieter von Zutrittssteuerungen bieten schon heute Lesegeräte, Steuerungen und bald auch Schlösser an, die alle über PoE mit Strom versorgt werden.

„PoE beschleunigt die Konvergenz und Integration bei Sicherheitstechnik erheblich“, weiß Feldman. Sicherheitsanlagen bekommen neue Funktionen und Überwachungskameras werden zu einer umfassend integrierten Sicherheitsvorrichtung. PoE macht den Weg frei für die Vernetzung von Kameras mit Lautsprechern, Mikrofonen, Sensoren, Türschloss-Schnittstellen und Brandmeldern.

Allerdings wird die Technik dadurch auch komplizierter. Da viele neue Anwendungen mehr Strom brauchen als der PoE-Standard zulässt, arbeiten die Hersteller an der Standardisierung der neuen PoE-Version, die als „PoE Plus“ auf den Markt kommen wird.

Mehr Leistung durch PoE Plus
Der aktuelle Standard 802.3af lässt eine Leistung von maximal 15,4 Watt zu. Dieser Wert reichte für die IP-Telefone aus dem Jahr 1999 und die damaligen CAT3-Netzwerkkabel aus. Da PoE Plus für maximal 25,5 W ausgelegt ist, werden neue Kamerafunktionen möglich. Anspruchsvolle Stromverbraucher wie Lautsprecher, Anti-Kondensations-Heizelemente und Türbeschläge werden ebenfalls bald mit PoE Plus realisierbar sein. Wenn mechanische Türöffner per PoE gesteuert werden können, was allerdings eine weitere Steigerung der Leistungswerte erfordert, lassen sich sogar Zutrittssteuerungen vereinfachen.

„PoE wird in den unterschiedlichsten Sicherheitsanwendungen zu finden sein“, glaubt Feldman: Sogar Akkus ließen sich über Ethernetkabel aufladen.

Der einfachste Weg zur Umstellung von PoE auf PoE Plus besteht in der Verwendung eines sogenannten „Midspan-Geräts“, das einfach zwischen einen normalen Ethernet-Switch und die Verbraucher geschaltet wird. Die Midspan-Geräte sind schon heute sehr nützlich, da der neue Standard noch nicht verabschiedet ist und daher von den Herstellern noch nicht in die Switches und Kameras eingebaut werden kann.

Feldman sieht ein großes Potenzial für PoE auf dem Markt für Haustechnik. Früher oder später könne PoE im gesamten Haus für Zutrittssteuerungen, Sicherheitsanlagen, Schlösser, Kameras, WLAN, Modems und sogar für die Innenbeleuchtung genutzt werden. Er fügt jedoch hinzu: „Viele zögern aber noch vor dem Einsatz von PoE im Wohnbereich.“

Die Sicherheitsbedenken werden von den Herstellern berücksichtigt: PoE wird nur bei Geräten eingesetzt, die vorher auf ihre PoE-Verträglichkeit geprüft wurden.

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