Der Schlüsseldienst der Zukunft

Gale Johnson

„Es gibt heute weniger Schlüsseldienste“, weiß Gale Johnson, Chefredakteur der Monatszeitschrift „Locksmith Ledger“ aus Chicago.

Wer früher ein Türschloss brauchte, rief den Schlüsseldienst an.  Das ist heute anders. Türschlösser kauft man heute im Baumarkt, im Internet, bei einem Unternehmen für Heimautomatisierung oder bei einem Sicherheitsberater.  Sie alle bieten Schlösser an, einige bauen sie auch ein.  Welche Aufgabe bleibt dann noch für die Schlüsseldienste?  Deren klassisches Geschäftsmodell scheint überholt zu sein. Sie müssen sich entscheiden: Spezialisieren – oder das Angebot ausweiten?

In den letzten dreißig Jahren hat sich das Aufgabenfeld von Schlüsseldiensten radikal verändert.  Die technischen und wirtschaftlichen Trends haben ihren Tribut gefordert und viele Anpassungen erzwungen.

Schlüsseldienste als Sicherheitsexperten?

„Es gibt heute weniger Schlüsseldienste“, weiß Gale Johnson, Chefredakteur der Monatszeitschrift „Locksmith Ledger“ aus Chicago, und Besitzer eines Schlüsseldiensts.   „Trotz des höheren Sicherheitsbedarfs hat sich der Bedarf an Schlüsseldiensten nicht erhöht.“

The role of locksmiths

Auf Zugangskontrollsysteme oder Fahrzeugsicherheit spezialisieren – oder das Angebot auf Überwachungskameras und Einbruchsalarme ausweiten? Welchen Weg sollten Schlüsseldienste einschlagen?

Er sieht das Geschäftsmodell an einem Scheideweg und könnte sich auch mit einer neuen Berufsbezeichnung wie „Sicherheitsexperte“ anfreunden. Sie würde zeigen, dass „wir keine Mechanikspezialisten mehr sind, sondern ein breites Angebot von mechanischen und elektronischen Lösungen parat haben.“

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Elektronische Lösungen

Dave O’Toole

„Schlüsseldienste müssen sich mehr mit Elektronik beschäftigen“, sagt Dave O’Toole, Vorsitzender des Europäischen Schlüsseldienstverbands.

Johnson spricht über die USA, aber auch in Europa hat sich das Geschäft deutlich verändert. Dave O’Toole, Schlüsseldienstmitarbeiter aus Dublin und Vorsitzender des Europäischen Schlüsseldienstverbands, kann das bestätigen.

„Schlüsseldienste müssen sich mehr mit Elektronik beschäftigen“, sagt er, „Wenn sie dem Kunden keine elektronischen Lösungen anbieten können, verlieren sie ihn ganz schnell.“

Doch die Umstellung ist nicht einfach. Patrik Forsberg, Chef des schwedischen Integrators Great Security, einer Kombination aus Schlüsseldienst und Sicherheitsfirma, weiß aus seinem Unternehmen, dass sich viele ältere Mitarbeiter „lieber nur mit Schlössern beschäftigen“. Die jüngeren haben eine andere Einstellung:

„Sie beherrschen natürlich das klassische Geschäft, aber sie wissen, dass sie sich auch mit Zugangskontrollen, Einbruchsalarmen und Überwachungskameras auskennen müssen. Das gehört heute alles dazu.“

Daher schult das Unternehmen seine Mitarbeiter mittlerweile auch in Elektronik.  Forsberg erklärt: „Wir betreiben einen erheblichen Aufwand,  denn es wäre viel zu teuer, zwei Mitarbeiter zum Kunden zu schicken. Wenn ein Kundensystem ausfällt, wollen wir einen Mitarbeiter hinschicken, der sich neben dem Türschloss auch das Zugangskontrollsystem ansehen kann.“

Patrik Forsberg

„Jüngere Schlüsseldienste haben eine andere Einstellung“, weiß Patrik Forsberg, Chef des schwedischen Sicherheitsintegrators „Great Security“.

Spezialisierung als Ausweg

Traditionelle Schlüsseldienste kämpfen an vielen Fronten. Ramschschlösser aus dem Internet; unqualifizierte Billiganbieter, die nicht in der Lage sind, eine zugefallene Tür zerstörungsfrei zu öffnen; Schlösser aus dem Baumarkt, die der Anwender selbst einbaut – und selbst wenn der Schlüsseldienst das Schloss einbaut, verdient er nichts an der Hardware. Es gibt viele Probleme.

Anders als in den USA gibt es in Irland keinen Mangel an Schlüsseldiensten.  O’Toole erklärt den Trend: „Vor fünf Jahren gab es 50 Schlüsseldienste in Dublin, heute sind es 220.  Viele Bauarbeiter, die 2008 nach der Finanzkrise entlassen wurden, haben Schlüsseldienste gegründet, allerdings ohne entsprechende Qualifikationen.  Bei den Unternehmen sind dadurch die Umsätze um bis zu 40 Prozent eingebrochen. Teilweise sind die Preise um 30 Prozent gesunken.“

Einen Ausweg sieht Johnson in der Spezialisierung:

„Schlüsseldienste sollten keine Volldienstleister mehr sein.  Sie sollten sich spezialisieren, zum Beispiel auf Fahrzeugsicherheit oder Zugangskontrollsysteme.“

Angesichts der schwindenden Bedeutung von mechanischen Schlössern muss der klassische Schlüsseldienst aufpassen, dass er nicht das gleiche Schicksal erleidet.

Was meinen Sie? Schreiben Sie Ihre Meinung in die Kommentare oder oder Kontakte Sie uns an futurelab@assaabloy.com. Wir werden Ihr Feedback in einem Folgeartikel aufgreifen.

 

Von Michael Lawton

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0 Responses to “Der Schlüsseldienst der Zukunft”

  1. Carlos Fernández

    It will not be easy, at least in Southern Europe. Here, both end users and the locksmiths don’t want problems and they prefer the confidence of mechanical locking systems. In addition, the locksmiths get excellent returns from the sale and installation of traditional mechanical locks. The future is electronic, that is very clear, but also the future require lower margins and high competitiveness, quality of service and competitive prices. The locksmiths should seek profitability in service contracts, reducing sales margin in exchange for recurring revenues.