Aktuelle Entwicklungen bei Smartcards

In vielen Unternehmen sind die mechanischen Sicherheitssysteme (Zutrittskontrollen) noch von den elektronischen Systemen (IT-Netzwerke) getrennt. Noch brauchen die Mitarbeiter für jedes System eine eigene Sicherheitskarte, aber langsam setzt sich die Erkenntnis durch, dass die Sicherheitssysteme zusammengeführt werden sollten. Erste Konvergenztrends zeigen sich bereits bei Smartcards, findet Kurt Schmid, Chef von OMNIKEY, einem Unternehmen der ASSA ABLOY Gruppe, das Weltmarktführer bei innovativen Smartcard-Lesegeräten ist.

Konvergenzen spielen praktisch überall eine wichtige Rolle. Können Sie dieses Phänomen auch bei Smartcards beobachten?
Sicher, auch auf unserem Markt gibt es Konvergenzen, sobald mehrere Technologien auf der gleichen Karte untergebracht werden. Unser wichtigster Geschäftsbereich sind intelligente Kontaktkarten, auf denen die Berechtigungen des Karteninhabers gespeichert sind, so dass eine sichere Identifizierung im Unternehmensnetzwerk möglich ist. Das ist gerade für Unternehmen mit vielen externen oder im Außendienst tätigen Mitarbeitern interessant, die im Hotel oder von zu Hause aus eine sichere Verbindung zum Firmennetzwerk benötigen.
Diese Mitarbeiter haben natürlich auch Zutrittskontrollkarten für ihr Büro. Viele, vielleicht sogar alle Unternehmen würden es begrüßen, wenn sämtliche Zugriffsberechtigungen eines Mitarbeiters auf einer einzigen Karte gespeichert werden können. Das ist aber gar nicht so einfach, da die Zutrittskontrollsysteme meist schon seit vielen Jahren im Einsatz sind und die erforderliche Infrastruktur bei der Planung nicht berücksichtigt wurde. Türkartenleser haben eine Gebrauchsdauer von fünf bis zehn Jahren, während PC-Kartenleser meist nur wenige Jahre im Einsatz sind.
Dieses Problem lässt sich lösen, wenn der Kartenhersteller sowohl kontaktlose (RFID) als auch kontaktgestützte Identifikationstechnologien auf der Karte unterbringt.
Das ist aber nur ein erster Schritt und noch nicht das Ende der Entwicklung.

Also eine reine Vernunftehe aus IT-Authentifizierung und mechanischer Zutrittskontrolle?
Die Situation wird etwas komplizierter, wenn Sie die neuen Technologien und die kontaktlosen Smartcards berücksichtigen. Elektronikunternehmen wie Philips erzielen beeindruckende Erfolge bei ihren Chips und können kontaktbasierte und kontaktlose Schnittstellen in einem einzigen Chip unterbringen. Diese neue Chipgeneration ersetzt die 125-kHz-Chips, die momentan noch bei der mechanischen Zutrittskontrolle eingesetzt werden. Sie erlaubt den simultanen Einsatz eines einzigen Chips für kontaktbasierte und kontaktlose Anwendungen. Die neuen Technologien werden vor allem durch die Planungen für den elektronischen Reisepass vorangetrieben. Die neuen Pässe enthalten einen Sicherheitschip auf PKI-Basis mit kontaktloser Schnittstelle.

Welche Antriebskräfte stecken hinter dieser Konvergenz von kontaktbasierter und kontaktloser Technik?
Da ist an erster Stelle die Einfachheit zu nennen. Die Anwender müssen weniger Karten mit sich herumtragen und die Rechteverwaltung vereinfacht sich. Es ist viel einfacher, einen einzigen Master-Berechtigungssatz zu verwalten als mehrere Datensätze abzugleichen.
Dabei können die IT-Abteilungen einfach die bereits vorhandenen Verzeichnisdienste so ausbauen, dass auch die mechanische Zutrittskontrolle einbezogen wird. Ich gehe davon aus, dass die IT-Abteilung auf lange Sicht auch für die mechanischen Sicherheitsfunktionen verantwortlich sein wird, denn zwischen einem Türkartenleser und einem PC-Kartenleser besteht eigentlich kein Unterschied.
In der Zukunft wird wohl jedes Türlesegerät eine eigene IP-Adresse haben und wie jedes andere Netzwerkgerät verwaltet werden.

Wird das der nächste Schritt sein?
Sicher. Nicht unbedingt sofort, da Lesegeräte eine Gebrauchsdauer von mehreren Jahren haben, aber früher oder später wird das der Fall sein. Ich gehe von einem Zeitfenster von fünf bis zehn Jahren aus.

Welche weiteren Entwicklungen erwarten Sie?
Ich kann mir vorstellen, dass künftig alle Zugangsberechtigungen auf dem Mobiltelefon gespeichert werden, so dass der Benutzer sein Handy als Türöffner und Passwortgeber für den PC nutzt. Die neue „Near Field Communication“ kann unsere Arbeitswelt völlig umkrempeln.
Das Mobiltelefon wird ganz sicher der Dreh- und Angelpunkt bei der Integration von Bezahl- und Authentifizierungsverfahren werden.

 

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